Erzählungen …

Hier finden Sie Erzählungen der Zeitung und von mir.
Viel Spass beim Lesen!

Erzählungen der Medien

21.08.2017 – Auf Exkursion mit dem Mäusebussard

24.12.2015 – Köche und Moor – Auf zur Beizjagd (ab min 21:50)

02.06.2015 – Im Anflug auf Liebenwalde

26.04.2015 – Flanieren im Schwärzetal

10.08.2014 – Besucheransturm auf Naturidyll

27.07.2014 – Der Geierfalke kuschelt gern

16.07.2014 – Youtube / Ziegelpark Mildenberg & Falkner Marko Loerke (ab min 4:14)

13.07.2014 – Bussard streift Köpfe der Gäste

29.06.2014 – Schneepi schnappt den Finger

01.06.2014 – Tausende Besucher beim Tierparkfest

18.05.2014 – Naturerlebnistag mit reichlich Regen und viel guter Laune

08.05.2014 – Aug‘ in Aug‘ mit Falke, Adler und Schnee-Eule

02.11.2013 – Super Halloweenparty am Wasserturm Zehdenick

15.07.2013 – Mit Tempo 300 auf eine fliegende Taube

02.06.2013 – Die Eule spannt ihre weiten Schwingen

03.05.2013 – Dampfspektakel durch noch mehr Showteile für die ganze Familie bereichert

29.04.2013 – Spalier stehen für einen Wüstenbussard

20.04.2013 – Sancho mag gern Hühnchen

19.04.2013 – Mit dem Wüstenbussard im Cappenberger Wald

12.04.2013 – Falkner Marko Loerke und die rollende Waldschule

11.04.2013 – Jetzt auch mit Falkner – Liebenwalder Jagdhornbläsergruppe …

15.03.2013 – Greifvögel fliegen mit Affenzahn übers Schullandheim

24.01.2013 – Flugshow mit „Schneepi“

16.01.2013 – Jäger der Lüfte erobern Zehdenick


Meine Erzählungen

Januar 2000 – Meine Beizjagderlebnisse in Holland

Als mich im Sommer 2000 bei einer kleinen Falknervorführung auf dem Campingplatz am Ellbogensee Fürstenberg ein Ehepaar nach der Veranstaltung in einem deutsch-englischen Kauderwelsch ansprach, konnte keiner ahnen, dass aus diesem ersten Kontakt eine gute Freundschaft entstehen würde.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie Holländer waren und der Mann seit 16 Jahren mit 2 Habichten die Beizjagd betrieb. Da ich an diesem Tag keine Zeit mehr hatte, habe ich die Familie van Dijk an einem der nächsten Tage zu mir in die Falknerei Wredenhagen eingeladen. Zwei Tage später standen Lilien und Bert auf der Burg und nach der Vorführung zeigte ich den beiden noch meine heiligen Hallen (Volierenanlagen). Um noch ein bisschen mehr über die Beizjagd in Holland zu erfahren, habe ich sie dann noch kurzerhand zum Abendbrot eingeladen und nach zwei, drei, … Gläsern Bier und einem anregenden Gesprächsabend haben sie dann noch in meinem Gästezimmer geschlafen. Als Bert mir am nächsten Morgen erzählte, dass er gern einmal einen Seeadler in der Natur sehen würde, wurde noch eine kleine Exkursion zum Seeadlerhorst unternommen. Da der Kontakt sehr angenehm war und auch die „Chemie“ stimmte, wurde ich im Herbst mit meinen Greifen zur Beize eingeladen. Bei der Frage, welche Vögel ich mitnehme, wurde mir die Auswahl von Bert leicht gemacht, denn in den Niederlanden sind als Beizvögel nur Habicht und Wanderfalke erlaubt. Also ab ging es mit den Habichten im Gepäck für ein verlängertes Wochenende nach Holland.

Nach einer verregneten und stürmischen Ankunft mit herzlicher Begrüßung wurde nicht viel Zeit verloren, und wir fuhren ins Jagdrevier im Oberseehafen Rotterdam. Im Revier angekommen, verschlug es mir den Atem, denn dieses Nordseeküstenrevier war ein einziger Schweizer Käse. Kaninchenbaue wo man hinschaute. Schnell erst einmal die Videokamera raus und zum Beweis für zu Hause mit dem Kasten einen Schwenk gefilmt. Daheim habe ich im Standbild mal die Kaninchen gezählt und trotz Sturm und starken Regens 366 Kaninchen filmen können. Mit erhöhter Pulsfrequenz wurden die Vögel besendert und wir wollten unser Glück versuchen. Bert mit dem Frettchen voran (Hund ist bei den vielen Kaninchen zwecklos), ich mit einem Habicht hinterher. Erster Bau ca. 12 Röhren, Bert schüttelt den Kopf „zu groß“ weiter, genau 1,5 m, zweiter Bau ca. 25 Röhren, Bert schüttelt den Kopf „zu groß“ weiter, usw. usw. Endlich eine Röhre, ein Eingang ein Ausgang, also Frett rein – volle Konzentration, denn die Röhre war nur 1,2 m lang. Bert faselte noch etwas von „stimmt euch in der Reihenfolge des Werfens ab, denn sehr oft springen mehrere Kaninchen“. Schon waren drei Kaninchen aus der Röhre, „Habicht frei“ und werfen war alles eins und nach 2,5 m waren die Kaninchen im nächsten Bau verschwunden.

Wir haben an diesem Tag gelernt – wenig Kaninchen öfter mal Beute – sehr viele Kaninchen wenig Beute, aber wunderschöne Flüge und 200%ig laufende Frettchen. Bert hatte immer mehrere Frettchen mit, die perfekt unterwegs waren. Nach ca. 3 Stunden Beize waren die Vögel und wir völlig durchnässt, jeder hatte „nur“ 2 Kaninchen in der Falknertasche. An diesem Wochenende war es erst einmal mit der Falknerei vorbei (Sturm machte die Jagd unmöglich). Aber ein Besuch im Falknereimuseum Valkenswaard versüßte uns das schlechte Wetter erheblich. Wie alles Schöne ging auch dieser Besuch viel zu schnell vorbei, so dass ich mich mit dem Versprechen, bald wiederzukommen, verabschieden musste.

Im nächsten Jahr waren Lilien und Bert im Spätsommer wieder bei mir zu Gast, um unsere wunderschöne Mecklenburger Landschaft zu genießen. Bei unseren langen Gesprächen am Lagerfeuer bemerkte ich, dass vieles, was für uns selbstverständlich, in Holland verboten ist (z. B. Lagerfeuer). Als ich dann noch vorschlug, am nächsten Tag Pilze zu suchen, war Bert völlig von der Rolle, denn Pilze sind in Holland geschützte Pflanzen, die man nicht der Natur entnehmen darf. Demzufolge können in den Niederlanden viele Menschen und auch mein Freund Bert nicht mehr mit Sicherheit sagen, ob eine Marone oder ein Steinpilz noch essbar oder giftig sind.

Diese Gespräche stimmten mich sehr nachdenklich, denn wir als Falkner wissen alle, dass auch in Deutschland die Naturentfremdung wächst, und man am Beispiel Pilze in Holland sehen kann, dass, wenn man die Natur vor dem Menschen schützen will, dann wieder den Menschen vor der Natur schützen muss, weil er die Natur nicht mehr kennt.

An dieser Stelle möchte ich es mir nicht nehmen lassen, alle Falkner, die diese Zeilen lesen, zu bitten, mehr Öffentlichkeitsarbeit zu machen, um die Falknerei als Kulturerbe zu erhalten.

Falkner und Falknerfreunde, nutzt jede Gelegenheit, unseren Mitmenschen klar zu machen, was und wie Falknerei ist. Erklärt unseren Kindern, dass so ein Habicht leider nicht mit einer Mikrowelle und einem Schnitzel zurecht kommt, sondern ein Rohfleischfresser ist, und so ein Küken (auch wenn noch soooo niedlich), eine wichtige Atzung für unsere Greife ist, denn fressen und gefressen werden ist die Devise in der Natur, der sich jedes Lebewesen zu unterwerfen hat, wenn es auf unserem Planeten überleben will. Nur der Mensch, der fachlich korrekt über Falknerei und Greifvogelschutz aufgeklärt wird, kann nicht umhin, einzugestehen, dass unser Hobby eine der natürlichsten Jagdarten ist, die unsere Spezies betreiben können.

Nun aber wieder zum Thema Beizjagd in Holland. In der darauf folgenden Jagdsaison 2001 bekam ich einen roten Wildfangterzel und wollte die Gelegenheit nutzen, diesen Vogel in Holland zu fliegen, um zu sehen, ob er Kaninchen fängt, denn er war in einer reinen Flugwildgegend gefangen worden. Wir waren überrascht, als dieser Terzel (Fluggewicht 780 g) bereits am ersten Tag bei sehr guter Witterung 9 Kaninchen zur Strecke brachte und sie ohne jegliche Übung auf einen Balg fast immer im doppelten Kopfgriff band.

November 2002 sollte es wieder nach Holland gehen. Bert sagte mir noch, bring doch noch einen zweiten Falkner mit, und so entschloss ich mich, Peter Engel aus Löwenberg (die älteren Falkner kennen den Pfaffen mit seinem Hasenhabicht sicher noch gut) zu fragen, der dankend annahm, und so waren wir komplett und es konnte wieder losgehen. Zwei Wochen vor der Abreise kam es zu Komplikationen mit der Erteilung der holländischen Jagderlaubnis für mich, denn in Holland wurde im Januar 2002 ein neues Jagdgesetz bestätigt, wonach nur noch Greife mit geschlossenen Ringen eingeführt werden dürfen. Nun war guter Rat teuer. Kurz und gut, ich habe mich dann entschlossen, mal als Frettierer zu arbeiten, bis mir die geniale Idee kam, mit einem „Leihhabicht“ nach Holland zu fahren. Also mit Reiner Busch in Sachsen-Anhalt telefoniert, der nach kurzer Erklärung sofort einwilligte und mir seinen ersten selbstgezüchteten super eingeflogenen Terzel zur Verfügung stellte. Ab in den Harz, Vogel geholt und das Ergebnis war, 3 gut beflogene Habichte, 3 gut gelaunte Falkner, super Flüge und 26 gebeizte Kanin in 4 Jagdtagen. Es war mein schönster Falknerurlaub, den ich bisher erleben durfte.

Reiner, du hast einen top Vogel eingeflogen, vielen Dank nochmal für deine selbstlose Hilfe. Ich möchte allen Falknern noch viele schöne Beiztage und allzeit solche Freunde wie den Reiner wünschen.

Falknersheil

Marko Loerke


Januar 2010 – 2 ½ Badenwürtemberger in Bayern … Oder war es doch Mittelfranken?

Am 16.02.2010 war es soweit. Mit 2 Frettchen und 3 Habichten „bewaffnet“ ging es vom Bodensee in Richtung Nürnberg um die Saison 2009/2010 ausklingen zu lassen.

Wir, das sind Denis, Michael und Marko, waren sehr gespannt was uns erwartete.

Zur Vorgeschichte:

Michael kam mit seiner Frau vor ca. 3 Jahren zu mir und sagte sie wollen heiraten und würden sich freuen wenn ich bei ihrer Hochzeit ein kleines Falknerprogramm machen könnte. Außerdem wollten beide am Tag nach der Hochzeit ihre Hochzeitsreise in Form eines Praktikums bei mir machen. Mein erster Gedanke „Die sind voll verrückt!“ war durch das echte Interesse der beiden schnell verflogen. Und so habe ich den Bräutigam mit einer Fuchsschleppe ca. 1 km über den Acker gejagt und zwar so lang bis mein Steinadler dann endlich Gnade gezeigt hat. Das war offensichtlich gar nicht mal so schlecht, denn beide sind heute noch glücklich miteinander und immer wenn der Michael nicht spurt ruft seine Frau: „Marko, mach den Steinadler startklar!“

Nach erfolgreicher Jägerprüfung haben beide im Oktober 2009 nun die Falknerprüfung bestanden. Als nächstes stand die Beizvogelbeschaffung im Vordergrund. Michael war der Meinung nur der Habicht ist der einzig wahre Beizvogel, aber einen Habicht mitten in der Saison, da war guter Rat teuer.

Die Abhilfe kam von meinem Freund Reiner Busch aus dem Harz. Als ich mit Reiner telefonierte sagte der, er hätte noch seine 16 Jahre alte Franzi (Zuchtvogel) stehen. Man könne zwar aus einer alten Frau kein D-Zug machen aber so bekäme die alte Dame noch ein bisschen Bewegung und Michael, der schon viel praktische Erfahrung bei mir gesammelt hatte, seinen ersten Beizvogel.

Somit sind wir also quer durch Deutschland zu Reiner Busch gefahren und haben den Habicht geholt.

Ende Januar 2010 stand der Vogel auf der Schaukelreck bei Michael. Da Reiner den Habicht schon etwas in Kondition genommen hatte, ging das Abtragen sofort los. Wir waren mehrmals unterwegs um den Vogel so optimal wie möglich einzufliegen. Dabei war es sehr interessant zu sehen, wie dieser alte Habicht bei den ersten längeren Freiflügen immer mal im Schnee aufsetzte um – ohne sich abzustellen – weiter beizureiten. Dies wurde durch das Training von Flug zu Flug immer weniger bis der Vogel auf 100 Meter kraftvoll zur Faust kam. Nun war die Frage, ob wir den Habicht noch an Wild bringen oder erst noch mehr aufbauen sollten?

Zu diesem Zeitpunkt rief Denis Michael an und erzählte, dass er für die Saison 2010/2011 eine Beizmöglichkeit bei Nürnberg auf Wildkaninchen, Hase und Fasan hätte.

Nach ein paar Gesprächen waren wir uns einig, dass es doch spannend wäre vielleicht noch im Februar hinzufahren. Also hat Denis noch einmal telefoniert und die Pächter waren einverstanden.

Und dann ging es am 16.02.2010 los! Bei etwas Schneefall und leichtem Wind kamen wir um 9:30 Uhr an und wurden von den beiden Pächtern des 400 ha Reviers herzlich begrüßt. Als wir die Vögel gerade aus den Transportkisten nehmen wollten kamen noch mehr Jäger und Freunde der Pächter hinzu. Man erzählte uns, dass keiner von Ihnen die Falknerei je live erlebt hätte und alle hielten schon den Fotoapparat bereit um die erfolgreichen Beizvögel im Bild festzuhalten.

Ich dachte nur: „Na dann Gut-Nacht-Marie“ denn die Erwartungen der Pächter waren hoch und wir kannten noch nicht mal das Revier.

Zum Revier sei erwähnt, dass es sich um ein Stadtrandgebiet, von der A73 durchquert, handelt. Wir sahen Spaziergänger mit Hund und Kegel und die Bodenbeschaffenheit (Kies) ist der Traum aller Kaninchen, Brennnesselfelder, Brombeergestrüpp und einzelne Weißdorn- und Holunderhecken.

Beim Auslaufen wurde uns erklärt, dass die Pächter des Erfolges wegen schon früh morgens von Bau zu Bau gelaufen waren um zu sehen ob überhaupt Röhren befahren sind.

Da ich meine beiden jungen Frettchen das erste mal einsetzen wollte, ließ in meinen Terzel erst einmal stehen und wurde seit langen mal wieder als Frettiere tätig. Denis und Michael nahmen ihre Habichte und nach 20 Meter konnten wir an der ersten Röhre das Frettchen einschliefen. Frettchen rein – Kaninchen raus. Michael gab den Vogel  frei und schaute ein bisschen enttäuscht, als sein Habicht sich nach 30 Meter eher lustlosen Jagdflug abstellte. An der nächsten Röhre sollte Denis sein Glück versuchen aber leider war der Habicht von ihm in einer zu hohen Kondition und um es vorweg zu nehmen – an diesem Tag nicht erfolgreich. Ich glaube jeder Falkner kennt diese Situation.

Michaels alte Dame wurde mit jedem Jagdflug immer besser und so dauerte es nicht lange bis sie mit einem schneidigen Flug ihr erstes Kaninchen binden konnte.

Außerdem hatte wir an diesem Tag vor allem Dingen viel Freude mit einem angehenden Jungjäger, der sein Herz für Frettchen entdeckt hat, so dass ich später meinen Terzel ebenfalls einsetzen konnte und mich „fast“ nicht mehr um die Frettchen kümmern brauchte.

Ebenfalls erwähnenswert ist für mich noch ein guter Jagdflug von Michael’s Habicht: Kaninchen raus, der Habicht schneidig hinterher – eine Weile nichts – dann ein hechelnder und nach Luft schnappender Michael und nach dem Falkner aus der selben Röhre ein weiteres Kaninchen welches so aussah, als ob es den Falkner beizen wollte. Das erste Kaninchen springt den Abhang hinunter, der Habicht bekommt es nicht in die Fänge und stellt sich ab. Wir rufen und wollen Michael auf das ihm folgende Kaninchen aufmerksam machen, er bekommt einen Schreck und rutscht auf dem Hosenboden den Abhang hinab und kommt kurz vor seinem Habicht zum Stillstand. Beide Jäger wieder vereint und etwas ratlos schauend. Anmerkung von mir: Die B-Note war unter aller Sau, Michael!

Zusammengefasst kann man sagen, dass aus 95 % der Baue meist mehrere Kaninchen ausgefahren sind. Wir haben im teils schweren Gelände sehr gute Flüge unserer Greife gesehen. Die Frettchen sind super gelaufen und mit den Pächtern sind wir nun alle per Du.

Bei der Verabschiedung wurde uns die Möglichkeit eingeräumt so oft wie wir möchten wieder zur Beizjagd zu kommen, was unsererseits mit der Einladung zur Hochwildjagd erwidert wurde. Am Abend fuhren dann  3 glückliche Falkner mit 3 Habichten, 2 Frettchen und 4 erbeuteten Kaninchen wieder in Richtung Heimat.

An dieser Stelle nochmals von ganzem Herzen FALKNERSDANK an die Pächter für diese schöne Beizjagd!

Marko Loerke

PS: Reiner, die alte Franzi hat 2 Kaninchen erbeutet und der Michael war an diesem Tag, so glaube ich, der stolzeste Falkner auf der Welt! Von der B-Note reden wir nicht mehr.


März 2013 – Fridolin, der Mäusebussard

Es ist der 27.03.2013 um 23:10 Uhr. Ich sitze in der Küche und bin einerseits sehr traurig und andererseits froh. In der vergangenen Vollmondnacht habe ich meinen ältesten Greifvogel, meinen Mäusebussard Fridolin, gehen lassen müssen.

Fridolin wäre im Mai diesen Jahres 33 Jahre alt geworden. In diesem Alter ist er eine richtiger Bussard-Methusalem gewesen, denn in der Natur werden Mäusebussarde allerhöchstens 20 Jahre alt.

Ich habe im letzten Monat schon beobachtet, dass Fridolin nicht mehr richtig gefressen hat. Er hat das Futter nur noch zerrissen und herumgeworfen und dann immer weniger Nahrung zu sich genommen bis er letztendlich nichts mehr gefressen hat. Ich selber hatte das Gefühl, dass er einfach nicht mehr weiter leben wollte. Nun ist das mit den menschlichen Gefühlen natürlich immer so eine Sache. Mann möchte in der Tierhaltung keine Fehler machen und meint es oftmals zu gut mit den Tieren denn wenn so ein Vogel wie Fridolin einen Menschen fast 33 Jahre begleitet hat, ist er einem (mir!) natürlich ans Herz gewachsen. Also war die Frage für mich „macht man alles richtig?“, sprich bringe ich Fridolin zum Tierarzt und versuche ich ihn mit ärztlichen Mitteln (Vitamin- und Aufbaupräparaten usw.) am Leben zu halten oder lasse ich den Vogel in Ruhe gehen, ohne das Tier noch zu stressen? Ich habe mich dann für das Letztere entschieden. Wer mich kennt weiß, dass mir das mit Sicherheit nicht leicht gefallen ist.

Mit Fridolin hat alles angefangen. Ihn hatte ich als sogenannten Übungsvogel um mit ihm den praktischen Teil der Falknerprüfung (in der DDR war das damals noch so) abzulegen. Und ich habe am Tag der Prüfung noch ein Andenken von Fridolin bekommen, was noch heute am Daumen meiner rechten Hand gut sichtbar ist. Eine schöne Narbe, meine allererste Verletzung die ich von einem Greifvogel im Leben erhalten habe. Es sollte nicht die letzte bleiben, aber das gehört natürlich dazu. Ich höre noch heute Kurt Schultz (den damaligen Prüfungsleiter aus Grevesmühlen im schönen Mecklenburg-Vorpommern) wie er mir bei der Überreichung der Urkunde zur bestandenen Falknerprüfung mit verschmitzten Lächeln sagte „wenn du dem Vogel mehr zu fressen gegeben hättest, hätte er nicht versucht dich zu fressen“. Aber es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Nun hätte ich den Bussard nach bestandener Prüfung an einen nächsten Prüfling weiter geben können, wie es in der DDR halt brauch war, denn nach der Prüfung durften wir Falkner dann mit Genehmigung der Behörde einen Habicht aushorsten. Ich habe mich aber entschieden, dass Frido als mein persönlicher Liebling bei mir bleibt und von mir weiter geflogen und trainiert wird. Es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht aber auch so manche Nerven gekostet wenn Frido mit seiner sprichwörtlichen Bussardstörigkeit mal wieder beschlossen hat auf einem Baum in der Natur zu übernachten und nicht wie es sich für einen ordentlichen Falknerbussard gehört, am Ende des Flugtrainings auf dem Handschuh zu landen. Zum Glück war Frido sehr flugfaul. Wenn ich am nächsten Tag nach im schaute, kam er immer mit einem fürchterliche Protestgeschrei angerast unter dem Motto „wird Zeit dass Du kommst Alter und hoffentlich hast Du auch eine lecker Belohnungsmaus mit“, die ich ihm natürlich gerne gab.

So gingen die Jahre ins Land bis die Deutsche Wiedervereinigung kam.

Frido wurde nun ein „Bundesadler“. Sprich, ich musste den Greifvogel nach den Gesetzten der BRD anmelden und Frido bekam einen neuen Ausweis kurz Citis genannt. Wie in jeder neuen Ehe gab es gleich noch einen schönen Aluminiumring und schwupp war Frido mit mir gemeinsam ein Wessi geworden. Ich habe es nicht bedauert den es eröffneten sich für mich neue Horizonte. Ich hatte nun die Möglichkeit mein Hobby zum Beruf und mit meinen Greifvögeln Vorführungen zu machen um anderen Menschen an meiner Leidenschaft teilhaben zu lassen.

Nun schweife ich aber wieder mal ab, daher nun wieder zurück zu Frido. Er wurde im Laufe seines Lebens immer mehr zum Pflegevater. Den wie jeder Falkner bekam auch ich regelmäßig verletzte Greifvögel oder auch junge Greife, die immer mal wieder zu früh aus dem Netz purzeln und von aufmerksamen Menschen gefunden und zu mir gebracht wurden.

Dann hieß es „wohin mit den Jungtieren?“. Man darf diese Tiere nicht mit der Hand aufziehen, da sie sich dann oft auf den Menschen prägen und nicht mehr in die Natur zurück können. Fridolin hat natürlich wie jeder ordentliche Bussardmann im Frühjahr immer Stöckchen und andere Nistmaterialien gesammelt. Da habe ich dann irgendwann einmal eine Nistplattform in die Voliere gebaut und siehe da, er hat ein wunderschönes Nest (bei Greifvögeln heißt das Horst) gebaut. Immer wenn ich in die Voliere kam, hat er mich angebalzt da er mich in Ermangelung einer schönen Bussarddame als sein Weibchen betrachtet hat. Gut, dass er bedingt durch die anatomischen Unterschiede keine Brille tragen konnte, den wenn er sein vermeintliches Weibchen mit Brille hätte sehen können …!

Naja, habe ich mir gedacht, wenn er meint … und habe ihm kurzerhand mal zwei Hühnereier ins Nest gelegt, mit dem Hintergedanken ihn als Amme zu benutzen. Das hat super geklappt und so hat Fridolin so manches Findelkind groß gezogen. Dabei war es ihm völlig egal ob sein Baby plötzlich immer größer und größer wurde und z.B. zu einem stattlichen Seeadler heran wuchs. Man nennt das glaube ich Multikulti. In der Tierwelt ist halt manches viel leichter.

So wurden wir beide immer älter und älter. Während dieser Zeit bin ich im Rahmen meiner beruflichen Laufbahn dann von Zehdenick nach MV und dann nochmal nach BW umgezogen um zuletzt im Dezember 2012 wieder in Zehdenick zu landen. Immer mit dabei Fridolin. Er hat diese Veränderungen immer gut bewältigt, da ich meine Volieren grundsätzlich gleich und für meine Greife so optimal wie möglich baue. Tja, und nun schreiben wir den 27.03.2013.

Fridolin hat sich gestern in seiner Voliere in eine ruhige Ecke zurückgezogen. Da der März dieses Jahr sehr kalt war und wir nachts sogar noch zweistellige Minusgrade hatten, habe ich ihm noch den ganzen Tag einen sonnigen Platz angeboten den er, so wie ich denke, genossen hat. Ich habe mich dann noch ein bisschen zu ihm gesetzt und unsere gemeinsame Zeit Revue passieren lassen. Am Abend hab ich ihn in seiner Transportkiste mit ins Haus genommen da es wieder Minusgrade gab. Und so ist er in der Nacht zu heute friedlich eingeschlafen.

Jeder Tierhalter weiß sicher wie schwer es ist das Tier gehen zu lassen aber ich bin froh das Fridolin keine Krankheit hatte und dass er nach meinem dafürhalten ein schönes Bussardleben hatte.

Ich werde Fridolin nie vergessen.

Marko Loerke


Februar 2013 – Falknerei einmal anders

Was viele nicht wissen ist, dass meine Greife immer mal wieder als Tiermodell arbeiten. Angefangen hat das schon vor vielen Jahren als die Tiermodellagentur Ekkifant (http://www.ekkifant.de/) eine Schneeeule für das Musikvideo „No Eternity“ von und mit Janette Biedermann benötigte und unsere Schneepi das erste mal Filmluft schnupperte.

Geierfalke Sancho, Steinadler Karlchen und Lannerfalke Hexe haben bei den Karl-May-Festspielen Winnetou I in Waren/Müritz und am Landestheater Schwerin bei den Drei Musketiere Theaterluft geschnuppert.

Zur Präsentation des Films „Wächter der Nacht – Nochnoi Dozor“ bei der Berlinale durfte Schneepi mit mir zusammen zeigen wie gruselig wir sein können.

So sind dann im Laufe der Jahre fast alle meine Greifvögel in Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen zu sehen gewesen.

Aber eigentlich wollte ich folgendes erzählen:

Im Frühjahr 2013 war es wieder einmal so weit, als Angelika Goretzki von Ekkifant bei mir anfragte, ob ich einen Steinadler hätte, mit dem ich in Berlin in einem Fotostudio Aufnahmen mit einer Rock-Pop-Band machen könnte. Auf meine Frage wer die Band sei, kam ein mir bis dahin völlig unbekannter Bandname: EMMA6 (http://www.emma6.de/). Ich habe dann erst mal am PC gegoogelt wer und was EMMA6 eigentlich sind und natürlich in die Musik rein gehört.
Nach kurzem hin und her welchen meiner Adler ich nehmen würde, habe ich zugesagt und mich am 08.03.2013 auf die Socken gemacht. Als ich in Berlin aus dem Auto stieg, dachte ich nur, gut dass bei dieser Saukälte alles im Fotostudio gemacht werden soll. Ich also rein in die gute Stube und mich mit dem ganzen Team und der Band bekannt gemacht. Es war eine gute Atmosphäre vorhanden. Dann haben wir besprochen wie alles ablaufen soll und ich wurde gefragt, ob der Adler bei dem einen oder anderen Bandmitglied auf dem Arm stehen kann. Dann kam der Hammer, am Nachmittag waren Außenaufnahmen angesagt … soviel zum Thema warmes Studio.
Ich kann euch sagen, dass alle, außer der Adlerdame Tilla, kräftig gefroren haben. Die Jungs von EMMA 6 waren in ihren dünnen Sachen nicht zu beneiden. Alles ist gut gelaufen und ich habe sehr viel Respekt vor Peter, Henrik und Dominik bekommen. Denn bei der Kälte noch einen Steinadler wie Tilla auf dem Arm zu halten, die ja auch nicht zu unterschätzen ist, alle Achtung!
Am Ende habe ich mich mit der Bitte verabschiedet, ob es nicht möglich wäre noch die neue CD zu bekommen, welches mir von Peter zugesagt wurde.
Mir hat jedenfalls alles gut gefallen, so dass ich beschloss mir irgendwann ein Konzert anzuhören. Dabei blieb es dann aber auch erstmal.
Der Alltag hatte mich wieder bis ich eine Briefsendung bekam wo die neue CD „PASSEN“ und noch ein paar nette Worte drin waren. Ich habe mich natürlich sehr gefreut und gleich mal rein gehört.
Was ich da hörte war ein Album wovon meiner Meinung nach jeder Song ein Hammer ist und auch sofort als Single ausgekoppelt werden könnte und müsste. Nun wollte ich die Jungs unbedingt live hören und wie der Zufall es wollte war EMMA6 im Rahmen der laufenden Tour am 23.09.2013 in Berlin. Also nichts wie hin!
Ich habe dann ein fantastisches Konzert erlebt, die Bude hat geschwebt! Nach dem Konzert hatten wir Zeit für ein kurzes Gespräch und dieses Foto.

Wenn ihr ein Foto mit EMMA6 und meiner Adlerdame Tilla sehen wollt, so ist eins davon im CD-Cover von „PASSEN“. Und spätestens jetzt wird dem einen oder anderen meiner Leser klar, das ich hier auch gleich ein bisschen die Werbetrommel für EMMA6 rühren möchte. Für mich gehört diese Band auf die großen Bühnen und ich hoffe, dass die Jungs so weiter machen.

Also Peter, Henrik und Dominik, falls Ihr das hier lest, bleibt wie Ihr seid, alles Gute für Euch und wir werden uns wieder sehen … spätestens bei einem Eurer nächsten Konzerte!

Marko